Martin Wolf Wagner ist ein Fotograf der Metapher, ein Chronist des Metaphysischen. Sein Handwerkszeug mag das der klassischen Landschafts-Fotografie sein, nämlich analoges Großformat oder hochauflösendes digitales Mittelformat und Stativ, ebenso die meisten seiner Motive: Küstenlinien, Urbane Räume, Sportplätze, Meeresveduten. Doch obwohl Wagners Bilder all das mit hoher Detailfülle abbilden, zielen diese Bilder auf Bedeutungsräume jenseits des Sichtbaren, vielleicht sogar des Denkbaren. Es geht um elementare Rätsel, Kategorien und Phänomene: Zeit, Licht, Raum, Unendlichkeit. Das wird besonders deutlich, wenn man Wagners frühe Arbeiten zum Vergleich heranzieht; da war noch ein Suchender unterwegs, der mittels gezieltem Schnappschuss dem Alltag besondere Momente entnommen hat. Doch je länger Wagner seine schwarzen Lichtfallenkästen aufstellte, desto mehr reduzierte er seine Ausbeute. Heute wirken Wagners Bilder wie Konzentrate des Nachdenkens über die Welt; leere Flächen, künstliche Verschiebungen von Farben und Helligkeiten, Serien mit winzigen Unterschieden im Rahmen immer gleicher Szenerien charakterisieren sein Werk. Und selbst da, wo die Bilder narrativ und die Sujets fast augenzwinkernd gegen die Konvention gebürstet sind - bei Wagners umfangreichen Serien über menschenleere, nächtliche Fussballplätze in aller Welt - zieht sich als atmosphärischer Grundton eine große Stille durch die Motive - wenn nicht gar der Kosmos selbst als alles überwölbender Mitspieler das Geschehen bestimmt.

Martin Wolf Wagners Fotografie ist Philosophieren mit Belichtungsmesser, ein Suchen nach Formen des Meditierens über die Welt.